|
Global
Jean-Claude Junker, Premierminister von Luxemburg, beschreibt die Arbeit der EU so:
Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt, und keine Aufstände, weil die Meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.
Es ist zwischen EU und Nicht-EU -Organisationen zu unterscheiden:
Nicht
EU |
|
| EU |
-
Europäischer Rat
- Regelmäßige (2-4 mal im Jahr) Zusammenkunft der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten der EU zur Festlegung der EU-Politik. Der Rat verfügt über Richtlinienkompetenz und hat Weisungsrecht.
-
Rat der Europäischen Union
- kurz EU-Ministerrat, setzt sich aus den Vertretern jedes Mitgliedstaats auf Ministerebene zusammen. Er erläßt Verordnungen und Richtlinien.
-
Europäische Kommission
- Exekutivorgan der EU. Sie schlägt Gesetze vor, nimmt sie ggf. zurück, wacht über ihre Einhaltung.
-
Europäisches Parlament, Europaparlament
- Das parlamentarische Organ der EU besitzt ein
Mitentscheidungsrecht
, aber kein Initiativrecht.
-
Europäischer Gerichtshof
(EuGH) - Der für die Auslegung und Anwendung der Verträge der EU zuständige Gerichtshof in Luxemburg wird im Einvernehmen der Regierungen für je 6 Jahre ernannt.
|
Der europäische Rat entscheidet in nichtöffentlichen Sitzungen, ohne das Parlament. Der Ministerrat ist seine ständig präsente, ausführende Hand. Mit der hohen Entscheidungsgewalt der Räte sind die EU-Staaten gewissermaßen "Räterepubliken". Durch das Vetorecht einzelner Länder wird zwar die Handlungsfähigkeit eingeschränkt, doch auf diesem Weg erhält man zumindest Einblicke in strittigen Punkten.
Von der Kommission mit ihrer Bürokratie erfährt man nur die Skandale. Sie ist, neben dem Rat, das eigentliche
Machtzentrum
in Europa. Die Entscheidungen werden im Detail aber zu 95 % auf untere Beamte delegiert, womit eine Zuordnung der Verantwortung nocheinmal erschwert wird.
Das Europäische Parlament ist kein Parlament im eigentlichen Sinne, denn es
-
wird nicht gleich gewählt. So erhält ein Luxemburger das
16-fache Stimmengewicht
eines Deutschen.
-
hat keinen Einfluß auf Ministerrat oder die Kommissionen.
-
kann keine Regierung wählen.
-
kann keine Gesetze initiieren und entscheidet nicht über den Haushalt, Agrar-, Außen- und Sicherheitspolitik.
Eine Übersicht zu den Entscheidungswegen der EU und Deutschlands erhält man mit diesem
Schaubild.
Das gelante
4/2010
Recht
auf
EU-Volksbegehren
glänzt mit
Hürden
und
Einschränkungen
und geht in ihrer
Wirkung
kaum über eine Massen-
Petition
hinaus und hat ohne Entscheidungsgewalt nichts mit dD zu tun.
↑
Die
EU-Verfassung
wurde unter dem Namen Reform quasi beschlossen, eine mögliche Nein-Volksabstimmung der Iren wird vom EU-Parlament
ignoriert.
Die
Kampagne für europaweite Volksabstimmungen
ERC
, mit dem Ziel des Aufbaus von Netzwerken in Europa, hat jetzt eine neue
Adresse
, heißt
democracy international
und will, wie die Namensänderung schon andeutet, in Zukunft auch außerhalb Europas Kontakte pflegen und Lobbyarbeit leisten(EU-Verfassung). Erster Erfolg ist das
Initiativrecht.
Das englischsprachige
IRI
(Initiative & Referendum Institute Europe) sieht sich eher als wissenschaftlicher Oberbau und organisiert u.A. Studienreisen.
In nur 6 europäischen Ländern (und der Schweiz) ist nationales und subnationales
Initiativrecht
für Bürger möglich, als da wären: Niederlande, Italien, Slowakei, Slowenien, Spanien und Ungarn.
Im Europavergleich rangiert Deutschland im hinteren
Mittelfeld
und wäre ohne
Bayern
wohl demokratischer Bummelletzter.
Direkte Demokratie in Europa
Vergleich nationaler Abstimmungen
11/02
1981-90
gab es in Europa 129 nationale Referendums-Abstimmungen,
1991-2000
bereits 248.
↑
Die Österreicher durften erst 2 Mal an einer
1994
Volksabstimmung
teilnehmen:
1978
zum Atomkraftwerk Zwentendorf und
1994
zum Beitritt in die EU. Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeit der unverbindlichenn Petition (mind. 100.000 Unterschriften), hier Volksbegehren genannt.
Warum wir gerade
jetzt
in Österreich mehr direkte Demokratie brauchen!
Wiege
, das Wiener Institut für Europäische Gesellschafts-Entwicklung mit Dreistufiger Volksgesetzgebung für Europa, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Europa - seine Kultur, seine Staatsgebilde und nicht zu Letzt seine in die globale Welt eingebundene Wirtschaft - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in den Blick zu nehmen und Ideen zu entwickeln bzw. weiter auszuführen, die die historischen Perspektiven aufnehmen und gedanklich weiterführen.
Eine andere Initiative, die
IG-EuroVision
, möchte, auch mit der Aktion
Volksgesetzgebung jetzt!
die Einführung der dreistufigen Volksgesetzgebung, mit der Möglichkeit
zur Willensbekundung erreichen.
Last but not least ist
Mehr Demokratie Österreich.
recht aktiv.
Der Bundesobmann des RFJ,
Johann Gudenus
, spricht über Strafen für Politiker, die ihre Versprechen nicht halten.
Den ausuferden Staatshaushalt versucht man mit einer
11/05
Volksabstimmung
in den Griff zu bekommen.
Die Plattform
Volxabstimmung
wollte
10/07
ein Referendum zum EU-Verfassungs-Reformvertrag erreichen. Doch der Wind dreht. Eine weitere Diskussion über die EU-Verfassung sollte
11/07
verhindert werden.
04/08
haben SPÖ, ÖVP und Grüne
für
den EU-Reformvertag und gegen die eigentlich verfassungsrechtlich notwendige Volksabstimmung gestimmt.
Neutrales Freies Österreich
NFÖ,
ein österreichweites Bündnis politischer Gruppierungen, Bürgerinitiativen, nicht im Parlament vertretenen Kleinparteien und Einzelpersonen, setzt sich für für direkte Demokratie ein und will so dem Bürger Gehör verschaffen.
In
Wien,
gibt es eine nette Volksbefragung, leider nicht bindend, also X statt U vorgemacht. Salzburg hingegen führt
07/10
bindende
Abstimmungen ein.
Zur letzten Wahl wollte der EU-Abgeordnete
Hans-Peter Martin
mit dem Thema direkte Demokratie punkten.
Jetzt
10/10
tritt gleich eine
Plattform,
ein Zusammenschluß mehrerer Parteien, für dD ein.
In Italien gibt es 5 autonome Gebiete, in denen direktdemokratische Instrumente zur Verfügung stehen: Frivli-Venezia-Givlia, Sardegna, Sicilia, Aosta und das "Fürstentum" Südtirol. Im Letzten setzt sich seit
1995
die
Initiative für mehr Demokratie
für direkte Demokratie ein.
Landesweit gibt es aber nur die Möglichkeit, bestehende Gesetze zu
blockieren.
Derzeit
11/05
wird von Duce Berlusconi die
Machtschraube
angezogen. Nur noch ein
Referendum
kann seine Pläne stoppen.
Am 1. Mai gehen 150.000 Menschen für den heiligen Prekarius, unter dem Anagramm
Serpica Naro
,auf die Straße - informiert vor allem durch Mundpropaganda.
06/06
gab es ein Referendum zur Verfassungsreform, welches
gescheitert
ist (Norditalien liebäugelt mit einem Anschluß an die Schweiz, während Berluskonigegner von einer Befreiung aus der "Geiselhaft des Nordens" sprechen). Bei einem Beteiligunsquorum von 40 % sind
10/09
in Südtirol gleich 5
Abstimmungen
gescheitert.
In
Frankreich
konnte der Präsident auf Vorschlag der Regierung oder auf gemeinsamen Vorschlag der beiden Parlamentskammern eine Volksabstimmung einleiten. Nun
07/08
können 20% der Parlamentsmitglieder, unterstützt von 10% der auf den Wahllisten eingeschriebenen Wähler, einen Gesetzesvorschlag unterbreiten. Falls diese Initiative von Senat und Nationalversammlung nicht innerhalb einer bestimmten Frist behandelt wird, muss der Präsident ein Referendum anordnen.
1860
spricht sich die Bevölkerung von
Nizza
in einer Volksabstimmung für den Anschluss der Stadt an Frankreich. Aber Napoleon hat das Mittel obligatorisches Referendum auch in Toskana, Parma, Modena und die Romagna, sogar in Mexiko für seine Zwecke zu wissen genutzt. In Elsaß-Lothringen überrumpelte er
1871
Bismark zu einer Volksabstimmung über einen Friedensvertrag.
Volksbefragungen sollten
12/03
in Spanien
strafbar
werden.
Der spanische Ministerpräsident José María Aznar stellte klar:
Wer glaubt, er könnte die Einheit des Landes ohne Konsequenzen zerstören, hat sich getäuscht.
Denn die sei ein Eckpfeiler Spaniens und dürfe nicht verändert werden: Wer einen der vier Eckpfeiler
reformieren will, beginnt einen politischen Konflikt, von dem wir nicht wissen, wo er endet.
Mit der neuen Regierung haben sich diese Tendenzen erledigt.
Auf Teneriffa wurde
12/05
gegen den Hafenausbau und für eine Abstimmung über das Canarische Wirtschaftsmodell
demonstriert.
Über das heftig umstrittene, neue Autonomie-Statut für
Katalonien
wurde
06/06
abgestimmt. Jetzt
12/09
soll über eine Unabhängigkeit
abgestimmt
werden, mit
unverbindlichem
Ergebnis.
Ein Referendum wird in Portugal erst ab 50 % Beteiligung bindend. Doch wird sich beim
02/07
Abtreibungsgesetz
die Regierung des Themas annehmen.
Es gibt neben der Machtfülle des Fürsten noch ein starkes
direktdemokratisches Element
im liechtensteiner System, dem EU-Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt, welches an die Schweiz erinnert, mit Initiativ- und Frauenstimmrecht und niedrigen
Hürden.
Im Fürstentum Liechtenstein macht sich
Unmut
der lustigen Sorte breit. Unter den 33.000 Einwohnern ärgert ein Briefträger den Fürsten am meisten. Der Herrscher schreibt giftige Leserbriefe.
Norwegen
hat sich
1905
von Schweden getrennt und ist
1994
nicht der EU beigetreten. Schweden hat sich
1980
in einer Volksabstimmung für den
Atomausstieg
bis
2010
entschieden, was leider weder den FastGAU verhinderte, noch von der Schwedischen Regierung umgesetzt werden will.
In
Ungarn
hat der Ministerpräsident Gyurcsany seine Wiederwahl unter Anderem mit der Ankündigung einer Volksabstimmung über den Wechsel der nationalen Währung Forint zum Euro geschafft.
In
Polen
gibt es seit
1997-99
2 Formen direkter Demokratie: Volksinitiative (mit 0,3% Unterschriften) und Referendum(mit 1,5% Unterschriften).
Eine Star-Wars-Basis (US-Raketenabwehr) führt beim ODS-Fraktionschef Tlustý in
Tschechien
zu einem Nachdenken über ein Referendum.
Die Slowenische Nationalpartei (SNS) wollte schon ein Referendum über den EU-Reformvertrag in Slowenien zu erzwingen, wurde jedoch wegen Formfehler abgewiesen. Nun
01/09
hat sie
Bedenken
wegen des geplanten Nato-Beitritts Kroatiens und sammelte schonmal die nötigen 40.000 Unterstützungsunterschriften.
Die Tschechische Volksabstimmungspartei
Veci Verejné
ist
05/10
mit 11 Prozent und 24 Abgeordneten in das Parlament eingezogen. Bei möglicher Regierungsbeteiligung ist der direktdemokratische Umbau am interessantesten.
Irland konnte
06/08
mit seinem Referendum zum "Lissabonner Vertrag"
EU-Verfassung
die undemokratische EU vorführen. In der irischen Verfassung ist ein Referendum bei Verfassungsänderungen vorgeschrieben. Nach dem Ja zur EU ist dieses Recht ev. wieder ausgehebelt.
Im britischen Bristol
kann man nun
09/09
über
Graffiti
abstimmen. Kunst oder nicht; dranlassen oder reinigen.
Schottland
plant seine Unabhängigkeit von GB für
2011.
Grönland
nabelt sich
11/08
von Dänemark ab. Den 39.000 Wahlberechtigten geht es zunächstum Zuständigkeit für Polizei, Justiz, Meeresumwelt, Einnahmen aus Ölvorkommen und der Landessprache Inuit. In mindestens 12 Jahren wollen die Grönlander die vollständige
Unabhängigkeit
erreichen. Grönland hat sich
1982
von der Europäischen Gemeinschaft lösen können.
Dänemark lehnte den Vertrag von Maastricht
1992
ab und weil das in der EU nicht geht,
1993
nach einer Korrektur-abstimmung, dann doch zu.
Die Verhinderung
2000
der Euro-Einführung ist aber immer noch gültig.
Der Luxemburgische Premierminister Juncker
kann sich
06/08
durchaus
europaweite
Referenden vorstellen.
↑
ehem. Ostblock
Russland
Putin unterzeichnet Gesetz über Referendum
06/04
Mit dem Verfassungsgesetz Über das Referendum in der Russischen Föderation werden alle
Etappen der Vorbereitung und der Durchführung eines Referendums festgelegt. Für die Unterstützung einer
Initiative müssen mindestens 2 Millionen Unterschriften gesammelt werden.
Die Kommunisten nehmen sich der Sache an und wollen, bis
03/06
, mit einem
Volksreferendum
, grundlegende Fragen der Innenpolitik die Bürger entscheiden lassen.
Transnistrien
03/06
möchte unter UNO-Ägide Freiheit von der russischen Föderation mittels
Referendum
erlangen.
Die strittigen Frage der Ukrainischen
Georgien hat sich
03/91
bei einer Volksabstimmung von Russland
getrennt.
Während das
serbische
Parlament eine Volksabstimmung
11/05
über den Kossovo beschließen will, ist die UNO dagegen. Im Konflikt
Serbien-Montenegro befürwortete die EU (Venediger)-Komission eine Volksabstimmung zur Selbstständigkeit Montenegros,
manipulierte
den Ausgang aber mit den Zulassungskriterien zur Teilnahme. Doch bei einer
Rekordbeteiligung
von ca.86,1% der Wahlbeteiligten stimmten 0,4%(1760 Stimmen) mehr als die geforderten 55% der Philip-Morris-Republik für die Unnabhängigkeit.
In
Armenien
hat man über eine neue Verfassung abgestimmt, mit den gleichen Problemen, wie überall bei obligatorischen Referenden.
In Rumänien entschieden die Leute, parallel zur Präsidentenwahl
11/09,
für eine
Verkleinerung des Parlaments
und Einkammersystem. Mehrere Bürgerrechtsorganisationen hatten erfolglos versucht, dieses obligatorische, obendrein nur konsultative, Referendum durch Klage vor Gericht zu verhindern.
1944
erreichten die Bürger Islands die Unabhängigkeit von Dänemark.
Island's
Opposition wollte
07/09,
mit dem Beitritt zur EU, direkte Demokratie einführen. Das hat
nicht
geklappt. Jedoch eröffnet ein obligatorisches
03/2010
Referendum
über die Art der
Schuldentilgung
des Isländischen Volkes gegenüber den Spekulanten aus GB und Holland eine weitere
Chance
nicht der EU beizutreten.
↑
|